Der Fachkräftemangel ist längst kein Zukunftsszenario mehr – er ist Alltag. Besonders in industriestarken Regionen wie dem Schwarzwald-Baar-Heuberg. Doch statt aufzugeben, hat Henriette Stanley, Geschäftsführerin der regionalen Wirtschaftsförderung, neue Wege gesucht – und gefunden: gemeinsam mit Partner*innen in Indonesien.
Was als Pilotprojekt mit einem Azubi begann, ist heute eine Erfolgsgeschichte mit über 100 jungen Menschen, die ihre Ausbildung in Baden-Württemberg gestartet haben. Ihr Ziel: Lernen, Leben, Bleiben.
Im Podcast „Ausbilder*in 4.0“ erzählt Stanley, wie es dazu kam, welche Chancen internationale Ausbildung bietet – und was Betriebe wirklich wissen müssen.
Dieser Beitrag und Podcast erscheint in Kooperation mit dem DALK – Deutschen Ausbildungsleitungskongress. Der Vortrag von Henriette Stanley findet am 25.11.25, 11.15 Uhr statt.
Vom Zufall zur Vision
Alles begann mit einer Gründungsberatung: Eine Absolventin aus Indonesien wollte ihr Vermittlungsmodell für Studierende auch in Deutschland etablieren. Henriette Stanley erkannte das Potenzial – und dachte einen Schritt weiter. Warum nicht junge Menschen direkt für die duale Ausbildung gewinnen?
Heute ist das Projekt ein Leuchtturm für die Region. Über 100 Azubis aus Indonesien absolvieren ihre Ausbildung in Betrieben der Region – in Bereichen wie Metall, Medizintechnik, Gastronomie oder Handwerk. Weitere 60 warten aktuell auf ihr Visum.
Warum Indonesien?
Indonesien hat, anders als Deutschland, eine echte Bevölkerungspyramide: jung, bildungshungrig und mit wenigen Jobperspektiven im eigenen Land. Jährlich schließen dort rund vier Millionen Jugendliche die High School ab – viele mit solidem Deutschunterricht und hoher Motivation, in Deutschland zu lernen.
Diese Kombination aus Potenzial und Perspektive macht Indonesien zum idealen Partner für nachhaltige Fachkräftesicherung.
Was Betriebe wissen sollten
Die gute Nachricht: Kulturelle Unterschiede oder Sprachbarrieren sind selten das Problem.
Die größere Herausforderung ist – wie so oft – die Bürokratie. Visaverfahren, Sprachzertifikate, lange Bearbeitungszeiten: Hier braucht es Geduld, Struktur und starke Partnernetzwerke.
Stanley empfiehlt, frühzeitig Kontakt zu Wirtschaftsförderung, Kammern und Ausländerbehörden zu suchen. „Man muss das Rad nicht neu erfinden“, sagt sie. „Es gibt viele, die unterstützen können.“
Mehr als Recruiting
Der vielleicht wichtigste Aspekt: Empathie und Langfristigkeit.
Wer Azubis aus dem Ausland aufnimmt, holt Menschen zu sich, die ihre Heimat und Familie verlassen. „Das ist ein riesiger Schritt – und er verdient Wertschätzung und Begleitung“, betont Stanley.
Ziel müsse immer sein, langfristige Perspektiven zu schaffen, nicht kurzfristige Lücken zu füllen.
Fazit
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie internationale Ausbildung funktionieren kann: mit Offenheit, Netzwerkgedanken und einem klaren Ziel – Zukunft gestalten.
Henriette Stanley und ihr Team beweisen, dass regionale Wirtschaftsförderung weit mehr sein kann als Standortmarketing. Sie ist Brückenbauerin – zwischen Ländern, Menschen und Chancen.
👉 Die ganze Geschichte hörst du im Podcast Ausbilderin 4.0*. Jetzt reinhören und inspirieren lassen!
Mehr erfahren: Henriette Stanley stellt ihr Konzept am 25. November 2025 auf dem Deutschen Ausbildungsleitungskongress vor.
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