Künstliche Intelligenz ist auch in der Berufsausbildung angekommen. Dennoch ist immer noch viel Unwissen rund um Künstliche Intelligenz vorhanden. Während die einen vermeintlich selbstagierende Agenten bauen, sind andere noch dabei KI als Schumlerei fürs Lernen abzutun.
Die Wahrheit liegt grundsätzlich sicherlich dazwischen. Künstliche Intelligenz ist aus der dualen Berufsausbildung nicht mehr wegzudenken. Sie beschleunigt die Diskussion um Ausbildungsmethoden, Rolle des Ausbildungspersonals und auch die Vermittlung von Zukunftskompetenzen.
In diesem Beitrag möchte ich aber nochmal auf ein paar Wahrheiten bzw. Mythen rund um KI generell aufklären. Der Fokus liegt hier besonders natürlich auf den Bezug zum Lernen und der Anwendung in der dualen Berufsausbildung. Mehr Erklärungen und Hintergründe sind auch im Podcast „Ausbilder*in 4.0“ zu finden. (s. unten)
KI macht keine richtigen Ergebnisse
Verwöhnt von digitalen Lerntools, die natürlich so konzipiert und programmiert sind, dass sie dem Lernenden ausschließlich nur das richtige Ergebnis präsentieren, ist KI grundsätzlich erstmal anders einzuordnen. KI ist Wahrscheinlichkeitsrechnung. Das bedeutet, das Modell berechnet zu dem Auftrag („Prompt“) nur das wahrscheinlichste Ergebnis. Dies kann natürlich auch richtig sein. Es ist daher nicht wie eine Suchmaschine zu verwenden, sondern eher für komplexere Aufgaben gedacht und bedarf einer Überprüfung der Ergebnisse.
Azubis können schon KI
Viele junge Erwachsene nutzen generative KI wie ChatGPT etc. wie wir Google nutzen. Für viele ist die Nutzung selbstverständlich geworden und daher auch die Angst der Nutzung gering. Was jedoch offensichtlich ist: Für die Überprüfung der Ergebnisse muss ich bereits Vorwissen oder Expertenwissen in dem Thema haben, um die Qualität der Ausgaben einschätzen zu können. Das bedeutet, es ist auch an dieser Stelle fahrlässig sich darauf zu verlassen und die KI als einzigen Tutor einzusetzen.
Vielen Auszubildenden und dual Studierenden fehlt es zusätzlich in der Praxis jedoch guter Prompting-Kompetenz und auch Ideen, wie sie KI für ihren Lernprozess gut einsetzen können. Die Themen Compliance und Datenschutz mal nicht zu vergessen.
Je mainstreamiger das Thema, desto besser.
In meinen Workshops für Ausbildende und Ausbildungsbeauftragte zum Thema KI ist natürlich das Ziel, dass für jedes Einsatzfeld in der Ausbildung Ideen und Möglichkeiten mitgenommen werden. Wenn nun klar ist, dass KI Wahrscheinlichkeitsberechnung ist, dann wird klar, dass nicht für alle Ausbildungsberufe und Anwendungsfälle gute Ergebnisse geliefert werden.
Beispielsweise haben wir versucht ein gutes Quiz als Lernstandkontrolle für Textiltechnologen zu erhalten. Dieser Beruf ist aber so nischig, dass alle eingesetzen KI Tools profane Fragen kreiiert oder halluziniert haben. Wir konnten das durch ein wenig Input und Kontext verbessern, aber nicht so, dass es eine wirkliche Arbeitserleichterung war.
Bei anderen gängigeren Berufen ist die Erstellung von Quizzen sogar mit Schwierigkeitsgraden einfach erstellbar. Bsp. Industriekaufleute, Elektroniker
Jeder Azubi wird zur Führungskraft
Wenn wir uns anschauen, was es für gute Ergebnisse bei KI benötigt, dann liegt auf der Hand, dass es auf gute Eingaben – Prompting-Skills – ankommt. Während ich bei Google einfach mal einen Begriff eingebe und schaue, was passiert, ist beim Prompten mehr gefordert. Als Benutzer*in muss ich mir vorher sehr genau überlegen, was als Ergebnis dabei rauskommen soll und meinen Prompt ähnlich wie eine Arbeitsanweisung einer Führungskraft an seine Mitarbeiter*innen formulieren. Das bedeutet: Jeder muss erstmal lernen, wie man Arbeitsaufträge erteilt. Das ist aus meiner Sicht der größte Change!
Ausbilder*innen werden ersetzt
Die Diskussion um die Rolle des Ausbildungspersonals wird bereits seit zwei Jahrzehnten geführt. Ausbildende sind schon längst nicht nur Personen mit Fachwissen, dass es zu vermitteln gilt oder wie ich sage „der Erklärbär“. Viele Rollen wie Coaches, Erziehende, Lernexpert*innen und Technikfreaks sind dazugekommen.
Künstliche Intelligenz sehe ich als ergänzendes Hilfsmittel für Ausbildende und Auszubildende, um sich einem Thema zu nähern und reines „Theoriewissen“ zu erlernen. Aber auch eine Prüfungsvorbereitung zu unterstützen. Die Rolle der Ausbilder*innen ändert sich sukzessive dahin, dass sie sich anwendungsorientierter Aufgaben zum Überprüfen des Wissens überlegen müssen. Außerdem dienen sie zukünftig als Lernbegleiter*in für Auszubildende und Dual Studierende, ihnen den Umgang mit KI als Arbeits- und auch Lernunterstützung beizubringen.
Künstliche Intelligenz ist ein Werkzeug und kein Lernprozess
Offensichtlich sollte nun sein, dass Auszubildende vor einen Laptop zu setzen und zu sagen „Hier lern“ nicht sinnvoll ist. Dieser Fehler wurde auch schon mit dem Einsatz von digitalen Tools zur Prüfungsvorbereitung gemacht. Viele Ausbildende glaubten, dass ihre digital affine Zielgruppe einfach vor den Laptop zu setzen ist und dann lernen die schon ganz begeistert.
Vielmehr ist das Nutzen von auch internen KI Systemen und Anwendungen aufzuzeigen und in einen Lernprozess zu integrieren und weniger als Allheilmittel zu betrachten.
KI ist ein richtig geiler Sch*** und gleichzeitig ein richtiges Drama
Wenn wir alle diese gesammelten Infos uns anschauen und nochmal mehr den Fokus auf die Möglichkeiten und Einsatzfelder in der Ausbildung schauen, dann ist KI einfach revolutionär. Auch kommen wir alleine wegen der digital affinen Zielgruppe gar nicht mehr drumrum, uns damit zu beschäftigen. Selbst wenn das ausbildende Unternehmen noch wenig mit KI zu tun hat.
Aber die Konferenzpanels und auch Linkedin sind voll von KI Experten. Es wird uns vieles versprochen bis hinzu Zukunftsängste heraufbeschworen, dass wir Wissens- und Büroarbeiter*innen durch KI ersetzt werden.
Wenn wir jedoch einmal tiefer schauen, dann wird offensichtlich: Agenten sind aktuell für viele Einsatzfelder nicht langfristig nutzbar. Die Modelle sind schlecht trainiert und können gar nicht soviel. Viele Mitarbeitende haben überhaupt keine KI Kompetenz und wirkliche KI Experten gibt es weltweit nur wenige.
Es wird also Zeit, dass wir Bildungsarbeiter*innen wirkliche Expert*innen für Künstliche Intelligenz werden!
Sollten Sie Unterstützung bei einem der Themen benötigen, schauen Sie gerne in unsere Angebote oder kontaktieren Sie uns über kontakt@intercommotion.de.
Sie möchten sich mit anderen Ausbildungsverantwortlichen austauschen? Hier geht es zu unserer kostenlosen LinkedIn–Gruppe.